Die bekanntesten Poker-Spitznamen der Vergangenheit und Gegenwart

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Egal, ob Minneapolis Jim, Devilfish oder Jungleman: Ohne Spitzname sind Sie ein Niemand

Früher wurde man nicht als richtiger Pokerspieler angesehen, bis man einen Spitznamen hatte - ein Brauch, der von alten Revolverhelden stammt, die sich gern einprägsame Namen einverleibten, um über die Staatsgrenzen hinweg Angst und Schrecken zu verbreiten.

Der Wilde Westen kannte die unterschiedlichsten Williams: „Billy the Kid", „Wild Bill" Hickok und „Buffalo Bill" - um nur drei zu nennen. Die Pokerspiele vergangener Tage wurden dominiert von „Puggy" Pearson, „Treetop" Straus und Doyle „Texas Dolly" Brunson - „Sailor" Roberts und „Amarillo Slim" Preston witterten bereits ihre Chance. Stu „The Kid" Ungar folgte ein paar Jahre später - seinen Alias hatte er einem einst milchgesichtigen Assassinen zu verdanken.

Passend dazu: Who's who? Die bekanntesten Poker-Aliasse im Überblick

In der Frühzeit des organisierten Pokerspiels (etwa 100 Jahre nach der Blütezeit des Wilden Westens), erregte die World Series of Poker Aufsehen mit den ersten großen Poker-Turnieren. Der Alias der Spieler hatte normalerweise mit dem Herkunftsort, dem gewählten Berufsweg oder dem Aussehen zu tun. Da sich Poker aber enorm weiterentwickelt hat und von Millionen online gespielt wird, ist es mittlerweile mindestens genauso wahrscheinlich, dass andere zuerst Ihren Online-Alias kennen, bevor sie auch nur den Hauch einer Ahnung haben, was auf Ihrer Geburtsurkunde geschrieben steht oder woher sie kommen.

In diesem Artikel wollen wir uns die bekanntesten Poker-Aliasse anschauen und dabei die gesamte Geschichte organisierter Poker-Veranstaltungen abbilden. Manche Spitznamen erscheinen sinnvoll. Andere halten sich an die alte Tradition. Mitunter sind sie aber auch schlichtweg bizarr.

Wo kommen Sie her?

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„Minneapolis" Jim Meehan, ein Spieler der alten Schule (links abgebildet), zusammen mit Dario Minieri

Wenn man Pokerspieler anders nicht auseinanderhalten kann, ist es am sinnvollsten, sie nach ihrem Herkunftsland oder ihrer Heimatstadt zu benennen. Poker-Spitznamen führen uns im Prinzip durch ganz Nordamerika - angefangen bei „Yukon" Brad Booth aus dem hohen Norden Kanadas, über „Minneapolis" Jim Meehan und „Akron" John Francis, bis hin zu „Oklahoma" Johnny Hale, „Miami" John Cernuto, Howard „Tahoe" Andrew und „Hollywood" Frank Henderson.

Texas ist bekanntlich die Brutstätte der meisten Old-School-Spieler. Sowohl Thomas „Amarillo Slim" Preston als auch Doyle „Texas Dolly" Brunson zeigen mit ihren Spitznamen an, dass sie dem Lone Star State entstammen.

Wenn Sie von außerhalb in die Vereinigten Staaten strömen und einen auffälligen Akzent aufweisen oder ein merkwürdig anmutendes Verhalten an den Tag legen, können Sie davon ausgehen, Ihrem Heimatland zugeordnet zu werden. Nehmen wir beispielsweise Marcel „The Flying Dutchman" Luske und Gus „The Great Dane" Hansen - oder Patrik Antonius, den man zu Beginn seiner Karriere nur als „The Finn" kannte. Zu dieser Zeit war Nick „The Greek" Dandalos Geschichte, während Jimmy „The Greek" Snyder als einer der ersten Poker-Kommentatoren von sich reden machte.

Wie aktuell sind die Namen noch?

Der unerwartete Boom Mitte der 2000er Jahre brachte Poker weltweit ins Fernsehen. Wer zu dieser Zeit eine Poker-Karriere aufnahm, hatte mehr Glück als die meisten vor ihm. Sponsoren-Deals waren an der Tagesordnung, es gab Geld für Auftritte, Buy-ins für TV-Turniere wurden gestellt, was diese zu Freerolls umfunktionierte. Im Gegenzug erwartete man, dass die Spieler eine unterhaltsame Hintergrundgeschichte bereithielten, und dass sie bereit waren, in eine Rolle zu schlüpfen und diese vor den Kameras gebührend auszufüllen.

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Dave „Devilfish" Ulliott - ein Spitzname, der fast jedem ein Begriff ist

Ein Alias gehörte dazu, und fast niemand verzichtete darauf, mit einem Spitznamen zu arbeiten. Manche Namen waren schon vor dem Auftauchen der Kameras bekannt - Chris Ferguson wurde längst als „Jesus" erachtet, David Ulliott bekam das Prädikat „Devilfish" 1997 - die meisten schien man den Spielern aber allein für die Kameras anzudichten. Phil Laak war bekannt dafür, mit einem Kapuzenpullover und Sonnenbrillen einen Großteil seines Gesichts zu verdecken - was ihm den Titel „The Unabomber" einbrachte. Der junge Amir Esfandiari beherrschte ein paar Kartentricks, bevor er aus dem Iran in die USA kam - dort angekommen tauschte er Amir gegen Antonius aus und ihm wurde „The Magician" zugewiesen.

Die beiden saßen an den Tischen regelmäßig Spielern wie Mike „The Mouth" Matusow, Erick „E-Dog" Lindgren, Isabelle „No Mercy" Mercier und Howard „The Professor" Lederer gegenüber. Wie Lederer selbst bekanntgab, hatte sich Jesse May den Beinamen „aus heiterem Himmel" ausgedacht - und den „Professor" sollte er so schnell nicht wieder loswerden.

Etwa zu dieser Zeit schoss der jugendlich frische Kanadier Daniel Negreanu als „Kid Poker" empor - und der Alias hat sich bis heute gehalten, obwohl Negreanu mittlerweile zu den Poker-Veteranen zählt. Allerdings gibt es auch andere Beispiele. Es gibt nur wenige, die sich an Barry Greenstein als „The Bear" erinnern, oder ihn noch als „The Robin Hood of Poker" bezeichnen würden. Umgekehrt gibt es aber viele, denen „The Grinder" etwas sagt - ihn aber nicht unter seinem Vornamen kennen: „Michael".

Aus dem Internet

Im Internet sind wir alle anonym ... oder auch nicht.

In den letzten 15 Jahren haben die meisten Poker-Anfänger ihre ersten Poker-Hände online gespielt. Das hat zur Folge, dass sich die neuen Spieler zuerst einen Spitznamen ausdenken müssen - bevor sie auch nur die Regeln verinnerlicht haben. Und die wenigsten haben wohl geahnt, welche Tragweite diese Entscheidung eines Tages haben könnte.

Zwei Größen des modernen Spiels, Shaun Deeb und Bryn Kenney, haben keinen besonderen Gedanken daran verschwendet. Sie nennen sich online „shaundeeb" und „BrynKenney". Da besteht keine Verwechslungsgefahr. Andere, die eigentlich auf Bertrand, Tom, Viktor und Dan hören, haben ihre Online-Persona schließlich hinaus in die reale Welt getragen.

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Bertrand „ElkY" Grospellier, oder: ElkY „Bertrand" Grospellier

Herr Grospellier ist der breiten Öffentlichkeit eher als „ElkY" bekannt - Bertrand wird er so gut wie nie genannt. Und Dwan ist eher „durrr" als Tom. An Blom erinnern wir uns als „Isildur", und nicht als Viktor. Und selbst Cates kennt sich mittlerweile als „Jungle", kurz für „Jungleman" (wenn er gerade damit beschäftigt ist, von sich selbst in dritter Person zu sprechen). Man könnte auch Mike „Tîmex" McDonald auf die Liste setzen, weil der Spitzname mit Sicherheit damals gebräuchlicher war als „Mike". Vergessen Sie dabei aber nicht, dass das Dach über dem „i" in Wirklichkeit keines ist. Das ist ein besonderes Zeichen, das er bei der Registrierung verwendet hat.

Wir haben eine lange Liste mit beliebten Poker-Aliassen zusammengestellt - zusammen mit den tatsächlichen Namen der Spieler. Vielfach sind einem die Online-Persona eher ein Begriff als die realen Personen, die dahinterstehen.

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