Sieben Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du eine Pokerhand spielst

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Poker ist ein Spiel mit unvollständigen Informationen und dementsprechend fließen viele verschiedene Faktoren in die Entscheidungsfindung ein. Nur die eignen Karten zu spielen, kann kurzfristig den ein oder anderen Erfolg nach sich ziehen, wer aber langfristig Geld verdienen möchte, der muss schon etwas tiefer in die Materie einsteigen.

Neben der stärke der eignen Holecards, sollten die Position am Tisch, die Stack Sizes, die Spielstile der Gegner und vieles mehr einbezogen werden, bevor man sich dazu entschließt ein Hand zu spielen oder zu folden.

Die folgenden sieben Fragen allein machen dich nicht zu einem Profi, sind aber ein Anfang auf dem Weg zu einem besseren Pokerspieler.

1. Welche Karten halte ich?

Neue Spieler stellen sich zunächst die Frage „Welche Karten halte ich?". Das macht natürlich auch Sinn, ist aber nicht die einzige Frage, die man sich stellen sollte.

Wenn du 7♦2♣ gedealt bekommst, foldest du in nahezu 100 Prozent der Fälle. Da gibt es nicht viel zu überlegen. Bekommst du aber ein spielbares Blatt ausgeteilt, dann solltest du dir etwas Zeit nehmen und über mehrere Faktoren nachdenken, bevor du eine Entscheidung fällst.

Zu wissen, welche Karten gut sind, macht dich nicht zu einem guten Spieler. Wenn doch, wäre Poker ein ganz einfach Spiel. Die Karten sind aber nur der Ausgangsposition der gesamten Spielsituation.

Sich mit den anderen Faktoren auseinanderzusetzen und diese in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen, hebt die guten von den schwachen Spielern ab.

2. Was ist meine Position?

Deine Position am Tisch ist ein so wichtiger Faktor, dass er die Stärke deiner Karten effektiv verändert. Hände wie Pocketaces oder Pocketkings kannst du aus jeder Position erhöhen, aber bei marginalen Karten ist die Position äußerst wichtig.

Der Dealerbutton ist ganz klar die beste Position. Alle anderen Spieler agieren vor dir, wodurch du mehr Informationen hast und mehr Möglichkeiten den Pot zu gewinnen. Aus früher Position zu spielen bedeutet, dass viele Spieler nach dir agieren und dir das Leben vor und nach dem Flop schwer machen können.

Eine Hand wie K♥T♣ zum Beispiel ist stark genug, um den Pot am Button zu eröffnen, aber bei weiten nicht so stark aus früher Position. Sogar ein Open-Raise mit einer Hand wie A♠J♣ kann, abhängig von weiteren Faktoren, aus früher Position ein fragwürdiger Spielzug sein.

Suited Connectors können aus früher Position für große Probleme sorgen, weil man zum Beispiel einen großen Einsatz bezahlen muss, um im Spiel zu bleiben. Trifft man ein mittleres Paar, weiß man nicht wo man in der Hand steht. In Position dagegen, gibt es viele Optionen, zum Beispiel den Semibluff oder die Möglichkeit der Potkontrolle.

Die Position beeinflusst was und wie du spielst, vor und nach dem Flop. Respektiere es!

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Der Dealer-Button ist die strategisch beste Position am Pokertisch

3. Wie viele Blig Blinds habe ich?

Bis zu einem gewissen Grad bestimmen auch Stackgrößen die Hand Ranges sowie die Art und Weise, wie ein Hand gespielt werden sollte. Nimmst du den Big Blind als Anhaltspunkt für deinen Stack, kannst du den Wert deiner Chips besser beurteilen. Das ist besonders bei Turnieren nützlich, denn die steigenden Blinds erhöhen den Druck auf die Shortstacks. PokerStars bietet dir eine Funktion, um deinen Stack in Big Blinds anzuzeigen.

bb-stack-size-image-v3.jpgFlatcalls oder Raises mit spekulativen Händen und einem kleinen Stack führt nahezu immer zum verbrennen von Chips und zum Ausscheiden aus einem Turnier. Du hast weniger Möglichkeiten und solltest dich auf Spots zum stehlen der Blinds oder mit der Chance auf einen Verdoppler konzentrieren. Mit einem großen Stack hast du viel mehr Optionen, aber auch hier ist dasRisiko hoch.

Nehmen wir als Beispiel A♥J♥ am Button. Mit 10 Big Blinds wirst du in der Regel einfach All-in stellen. Mit 100 Big Blinds, wäre ein All-in ein großer Fehler. Du wirst vielmehr erhöhen und möchtest in Position einen Flop spielen. Die tiefe des Stacks wirkt sich entscheiden darauf aus, ob du zum Beispiel deine Chips mit Top Pair am Flop rein bekommen möchtest, mehrere Streets anspielen willst oder den Pot kontrollieren willst, um zu verhindern auszuscheiden.

Außerdem solltest du natürlich auch die Stacks deiner Gegner in die Entscheidungsfindung einfließen lassen. Wenn du 100 Big Blinds hast, dein Gegner aber nur 20, dann kannst effektiv auch nur um 20 Big Blinds gewinnen oder verlieren.

4. Was mir die Action sagt?

Ein Spieler hat aus mittlerer Position erhöht und du sitzt mit 40 Big Blinds und J♣T♣ am Button. Eine gute Hand für einen Call, um einen Flop zu sehen, denkst du dir und triffst diese Entscheidung. Aus den Blinds folgt aber ein Re-raise und schon klingeln die Alarmglocken.

Es wird Zeit also Zeit den Plan noch einmal zu überdenken, was nicht automatisch heißt, dass du deine Hand beim ersten Anzeichen von Gefahr folden musst. Du solltest vielmehr überdenken, welchen Einfluss die Action deiner Gegner auf die Stärke deiner Hand hat.

Raises und Re-raises sind wie ein Art Gespräch - deine Gegner signalisieren dir und allen anderen, dass sie eine bessere Hand halten. Sofern du nicht glaubst, dass es sich um einen Bluff handelt, erscheint J♣T♣ weniger attraktiv. Es ist kein Hoffnungsloser Fall, aber es macht nachdenklich.

Habe immer die Action vor dir im Blick. Wenn alle Spieler folden, kannst du deine Ansprüche senken und mehr Hände spielen. Wenn du mit Raises und Re-Raises konfrontiert wirst, sei vorsichtiger, überdenke deine Line und finde eventuell Spots um noch einmal drüber zu gehen.

5. Mit was für Spielern habe ich es zu tun?

Mittlerweile juckt es wahrscheinlich in den Fingern, du willst endlich deine Karten spielen. Die Timebank piept bereits wie verrückt. Ruhig bleiben. Es gibt noch weitere Fragen, die du dir stellen musst... Mit was für Spielern habe ich es zu tun?

Bleiben wir bei dem Beispiel mit J♣T♣. Gegen einen tighten Spieler foldest du in der Regel auf ein Re-Raise, da er wahrscheinlich Hände wie AQ+ und TT+ spielt. Aber gehen wir davon aus, dass der Open-Raiser nahezu jede Hand gespielt hat und der Re-Raiser ein loose-aggressive Spieler ist. Du gehst davon aus, dass er Druck aufbaut, um den Pot direkt mitzunehmen und hast daher die Möglichkeit zu callen oder sogar die 4-Bet zu spielen.

Du siehst also, das die Arten von Spielertypen einen dramatischen Einfluss darauf haben, wie ein Hand gespielt werden kann. Wie verhält sich ein Spieler im Big Blind? Foldet er, wenn er keine starke Hand hält? Callt er oft und foldet, wenn er den Flop verpasst hat? Oder setzt er sich zur Wehr und verteidigt seinen Big Blind immer wieder mit Re-Raises? Und was macht der Spieler im Small Blind?

Poker ist im Kern ein mathematisches Spiel, aber wir agieren gegen andere Menschen. Die Handstärke ist daher relativ. Die Action existiert nicht in einem Vakuum. Wenn du dir bewusst bist, welche Ranges gespielt werden, welche Tendenzen und Emotionen deine Gegner haben, wirst du dich von einem guten zu einem hervorragenden Pokerspieler entwickeln.

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LAG-Spieler erkennt man an ihrem Grinsen, sie aber nicht leicht zu spielen

6. Wie reagiere ich, wenn Spieler 'XY' zurück feuert?

Sagen wir, du sitzt mit 50 Big Blinds am Button, es wird zu dir gefoldet und du erhöhst mit K♦J♦. Der Small Blind stellt daraufhin sein 18 Big Blinds All-in. In der Hitze des Gefechts, bist du unsicher, was zu tun ist.

Um solche Situationen zu vermeiden, solltest du dir vorher im Klaren sein, wie du auf verschiedene Situation reagieren musst. Callst du oder foldest du, wenn der Small Blind All-in geht? Was machst du, wenn sich der Big Blind einschaltet? Was passiert, wenn der Small Blind foldet, aber der Big Blind erhöht? Habe immer einen Plan und sei dir bewusst, wie wahrscheinlich unterschiedliche Szenarien sind und wie du darauf reagieren wirst. Du verhinderst überrascht zu werden und im schlimmsten Falle eine emotionale Entscheidung zu treffen.

Anderes Beispiel. Du bist in der selben Situation mit Q♦8♠, die Hand ist grundsätzlich gut genug, um die Blinds zu stehlen. Doch du stellst fest, dass du aufgrund der Stacksizes gegen Raises aus den Blinds folden müsstest. Deine Gegner sind zudem Typen, die sich zur Wehr setzen und so entscheidest du dich zu folden.

Bevor du agierst stelle dir also immer die Frage, „Wie reagiere ich, wenn Spieler XY zurück feuert?", und spiele so viele Szenarien wie möglich durch.

7. Sollte ich folden, callen oder raisen?

Bis hierhin hast du dir sechs Fragen gestellt, die dazu geführt haben, dass du deine Hand viel detaillierter analysiert hast.

Du hast deine Hand gesehen, deine Position beachtet, gezählt, über wie viele Big Blinds zu verfügst, die Action genau beobachtet, die Tendenzen der anderen Spieler im Pot abgewogen und einen Plan für die Hand entwickelt.

Das sollte sich gut anfühlen, oder?

Es stellt sich jetzt nur noch die Frage, ob du folden, callen oder raisen solltest? Es ist der finale Denkprozess, der darüber entscheidet, ob du Chips investierst oder nicht.

Zusammenfassung: Sprich mit dir selbst während des Spiels

Es ist super, dass du dir den kompletten Eintrag durchgelesen hast. Das freut mich wirklich.

Aber jetzt liegt es an dir, Fragen wie diese in deinen Denkprozess beim Pokern aufzunehmen. Im besten Falle sollten diese Fragen während einer Session routinemäßig durch deinen Kopf schwirren. So als ob du mit dir selbst sprichst. Es ist eine rationale Art von Wahnsinn, die dir letztendlich hilft, ein besserer Pokerspieler zu werden.

Hier sind die Fragen noch einmal im Überblick, damit du sie während des Spielens schnell abrufen kannst:

1. Welche Karten halte ich?
2. Was ist meine Position?
3. Wie viele Blig Blinds habe ich?
4. Was mir die Action sagt?
5. Mit was für Spielern habe ich es zu tun?
6. Wie reagiere ich, wenn Spieler 'XY' zurück feuert?
7. Sollte ich folden, callen oder raisen?


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