Welche Unis haben die erfolgreichsten Poker-Profis besucht?

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Poker ist ein Spiel, das jeder lernen kann. Egal, welchen Lebensabschnitt wir erreicht haben. Doch es kommt überraschend häufig vor, dass Pokerspieler während des Studiums erstmals mit Poker in Berührung kommen.

Die Studienzeit ist ungeheuer prägend. Junge Menschen verlassen das Elternhaus. Karrierepläne werden geschmiedet. Enge Freundschaften, die hoffentlich ein Leben lang Bestand haben, werden geschlossen. Spätere Ehepartner finden zueinander. Kurzum: Es ist eine Zeit, in der wertvolle Erfahrungen gesammelt werden.

Zur Studienzeit gehören auch die Aktivitäten, die sich außerhalb der Universität abspielen. Viele Poker-Profis sind so mit dem Spiel in Kontakt kommen, das mehr werden sollte als ein Hobby: Beruf und Leidenschaft.

In diesem Artikel schauen wir uns ein paar gestandene Pokerspieler an, die im Laufe ihres Studiums von Poker in den Bann gezogen worden sind.

Texas Dolly an der Hardin-Simmons University und anderen Unis in Texas

Bevor er zu einem der besten und berühmtesten Pokerspieler der Welt heranreifen sollte, wurde Doyle Brunson als vielversprechender Athlet und Basketball-Spieler gehandelt. In den 1950er Jahren nahm er an der Hardin-Simmons University im texanischen Abilene eine aussichtsreiche Basketball-Karriere in Angriff. Selbst die NBA zeigte Interesse am späteren Texas Dolly.

Allerdings zog sich Brunson bei einem Ferienjob eine Verletzung zu, die seine Karriere vorzeitig beendete. Stattdessen absolvierte er sein Studium und ging - mit einem Master in Verwaltungswissenschaft in der Tasche - von der Hardin-Simmons ab.

„Während meines Master-Studiums habe ich erst so richtig mit dem Pokern angefangen, weil ich kein Geld hatte", schreibt Brunson in The Godfather of Poker. Tatsächlich hat er nicht nur an der HSU Partien gespielt. „Ich hatte Freunde an vielen Unis - an der Texas A&M, der University of Texas, der Texas Tech. An den Wochenenden fanden in den Studentenwohnheimen Poker-Partien statt."

Brunson berichtet im folgenden Abschnitt ausführlich von seiner „Poker-Ausbildung" und beschreibt, wie er an der Exchange Avenue an Poker-Runden im Hinterzimmer teilgenommen hat.

Während des Studiums konnte sich Brunson durch das Poker-Spiel ein „finanzielles Hilfspaket" schnüren. Doch er hat beim Spielen - wie er selbst sagt - auch andere Dinge erfahren, die sein Schicksal in die richtigen Bahnen lenken sollten.

„Ich habe das Spiel wie ein Werkzeug eingesetzt, um mich auf ein anderes Leben vorzubereiten."

Der Poker Brat an der University of Wisconsin

Phil Hellmuth hat schon häufiger erzählt, dass er die University of Wisconis besucht und Poker-Partien im Memorial Union gespielt hat. Anfang der 1980er Jahre lernte er das Spiel kennen. Wenige Jahre später gehörte er zu den besten No-Limit Texas Hold'em-Spielern der Welt.

In seiner Autobiografie Poker Brat erklärt Hellmuth, dass auf dem Campusgelände von No-Limit Pineapple die Rede war - das Spiel folgte jedoch den NLHE-Regeln.

Im zweiten Semester seines dritten Studienjahres musste Hellmuth bei den Cashgames im Memorial Union herbe Verluste hinnehmen. Dies zeigte ihm auf, wie essenziell ein strategisches Konzept und Geduld sind. Nach einigen Anpassungen gewann er wieder. Er fing an, auch bei anderen Partien mitzumischen und sogar Spiele bei sich zu Hause auszurichten.

„Ich hatte mich wieder für ein paar Kurse an der UW eingeschrieben", berichtet Hellmuth. „Aber man kann wohl sagen, dass ich hauptsächlich damit beschäftigt war, an meinem ‚Poker-Abschluss' zu arbeiten."

1985 - er war gerade 21 geworden - verzichtete er auf das Wintersemester. Stattdessen unternahm er seinen ersten Poker-Trip nach Las Vegas. Vier Jahre später war er der jüngste World Series of Poker Main Event-Sieger aller Zeiten (zum damaligen Zeitpunkt).

Warwick University - ein Campus, der viele Online-Talente hervorgebracht hat

Um die 2000er Jahre hat der Siegeszug des Online-Poker-Spiels die Partien vielerorts verändert - auch an den Universitäten.

Live-Poker-Spiele in Studentenwohnheimen wurden seltener. Stattdessen kam der Computer zum Einsatz. Und die schnelle Internetverbindung am Campus hat man da gern zweckentfremdet.

Es gibt zahlreiche Geschichten von Gruppen von Gleichgesinnten, die sich an den Unis zu kleinen Poker-Gemeinden zusammengeschlossen und an ihrem Spiel gearbeitet haben.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Warwick University im englischen Coventry hat eine Heerschar von Pokerspielern ausgebildet. Viele Online-Crusher haben dort (Poker) studiert.

Rupert Elder, Zimnan Ziyard, James Keys, Thomas Partridge, Alex Millar sowie Andrew Hulme gehören zu den Spielern, die die Warwick University besucht haben. Dieser Tage sorgen sie an Final Tables für Aufsehen.

Unter dem Alias „Stattol" konnte Hulme bei der Spring Championship of Online Poker in diesem Jahr einen Titel einfahren. Die letzten Poker-Turniere der diesjährigen SCOOP liegen erst wenige Tage zurück.

Uni nur ein Ausgangspunkt von vielen

Ohne Zweifel gibt es haufenweise Poker-Profis, die in ihrer Studienzeit Zeit mit dem Poker-Spiel verbracht haben. Doch es gibt zahllose Spieler, die das Spiel anderswo kennengelernt haben. Der ein oder andere hat Poker sogar einem Studium vorgezogen.

Erik Seidel hat ein Jahr am Brooklyn College und ein halbes Jahr am Hunter College studiert. Zu dieser Zeit hat er noch in erster Linie Backgammon gespielt. Poker kam erst später dazu, nachdem er anfing, regelmäßig den Mayfair Club zu besuchen.

Bryn Kenney, der aktuell die höchsten Turniergewinne vorweisen kann, hat sein Studium schon nach wenigen Wochen beendet, um sich voll auf Poker zu konzentrieren. Daniel Negreanu ist mit dem Spiel in Toronto aufgewachsen und Phil Ivey hat bekanntermaßen einen gefälschten Ausweis verwendet, um als Minderjähriger in Atlantic City zu spielen. Beide haben ihre ersten Erfahrungen mit dem Spiel außerhalb eines Uni-Geländes gesammelt.

Johnny Chan hat an der University of Houston Hotelmanagement studiert. Er gab das Studium auf und machte sich auf den Weg nach Las Vegas, wo er schließlich zum WSOP-Champion gekrönt werden sollte.

Was wir damit sagen wollen: Wie so oft bei Karrierefragen ist ein Studium keine Voraussetzung. Trotzdem kamen viele spätere Poker-Profis an Universitäten erstmals mit dem Spiel in Kontakt - und das, während sie eigentlich völlig andere Fächer studiert haben.


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