Yoga und Poker - ein Vergleich

Warnung: Sara Varela hat möglicherweise etwas zu lange die Füße in Richtung Decke gestreckt.Jedenfalls findet sie viele substantielle Ähnlichkeiten zwischen Poker und Yoga...

Heute Morgen verbrachte ich anstrengende 60 Minuten mit Versuchen, in der Hund-Stellung einen Blick auf meine Knie zu erhaschen, den Kopf auf meine Knie zu legen oder die Bogen-Stellung auszuführen. Beim dynamischen Hot Yoga bekam mein Nachbar auf der Matte nebenan ein paar Schweißtropfen von mir ab, Haarfarbe tropfte in mein frisches weißes Handtuch, ich fluchte (in Sanskrit, versteht sich), wackelte (meine Balance ist wegen des Wechsels zu decoffeinierter Sojamilch noch nicht wieder hergestellt), und ziemlich viele Körperpartien taten mir weh. Meine Yoga-MitschülerInnen waren allesamt beweglichere, dünnere, jüngere, sexyere und coolere Versionen meines imaginären Ichs. Unsere Lehrerin (ich bin zur Zeit in Singapur) sah aus wie eine fernöstliche Version von Miley Cyrus und glänzte - vermutlich einfach weil sie es konnte - wie eine flinke 20jährige mit einem Hintern, der so fest wie eine Abrissbirne war. Und für dieses Privileg, das ich JEDEN EINZELNEN TAG erleben darf, zahle ich ungefähr 400 Dollar im Monat!


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Warum ich das mache? Weil ich verrückt nach Yoga bin. Jede Windung, jede Streckung, jeder Schmerz und jeder negative Gedanke auf der Matte bedeuten einen Schritt näher in Richtung Nirvana. Für manche Leute ist es Alkohol, andere rauchen, tanzen, handarbeiten oder zeichnen - jede Frau hat etwas, das sie mehr als alles andere erleuchtet. Für mich ist das Yoga, für Euch wahrscheinlich das Pokern. Heute Morgen, im Unterricht, schweiften meine Gedanken ab und ich kam ins Grübeln. Vielleicht gibt's da ja weniger Unterschiede als man denkt.

Seit dem Jahr 2000 arbeite ich in der Pokerbranche. Ich bin keine Spielerin, sondern eine Werberin. Jemand, dessen Job sich im Back-Office abspielt und darin besteht, den Frauen unsere Produkte leichter zugänglich zu machen. Irgendwann schulte ich um und wechselte in den Bereich Gesundheit und Fitness. Jetzt coache ich, halte Vorträge und schreibe, allgemein gesagt bringe ich tollen Frauen wie Euch bei, sich besser zu ernähren und besser zu leben. Eines meiner Werkzeuge ist Yoga und dieses Jahr habe ich mich entschlossen Lehrer auszubilden. Wenn man sich wirklich in etwas verliebt, dann will man eigentlich, dass jeder andere das auch toll findet.

Deswegen also dieser Vergleich. Zwischen Yoga und Poker gibt es mindestens zehn Parallelen.

1. Jeder kann es tun.
Viele Lichtjahre entfernt, in einer anderen Galaxie, gab es einmal eine Zeit, als Ihr nicht pokern konntet. Aber Ihr habt begonnen es zu lernen. Genauso wenig wie Pokerspieler gibt es geborene Yoginis, die etwa mit einem "Ich weiß wie man einen Kopfstand macht"-Gen im Mutterleib heranwuchsen. Solche Fähigkeiten sind nicht angeboren, sondern erlernbar.

2. Man kann es überall tun.
Pokern und Yoga sind beides Sportarten, die überall ausgeübt werden, und zwar von beiden Geschlechtern, und letztlich auch unabhängig von Einkommensverhältnissen, da es sie in jeder Preisklasse gibt, online wie offline. In vielen Ländern kann man wählen, ob man in einem realen Pokerroom oder online bei PokerStars spielen will, genauso wie es viele Yogastudios gibt oder auch die Möglichkeit, zu Hause im bequemen Pyjama einen Onlinekurs mitzumachen.

3. Man sieht dabei cool aus.
Beim Yoga kann man schicke Trainingshosen, Tops und Stirnbänder tragen und sich aus einer pinkfarbenen Wasser flasche laben (an levitiertem Wasser, versteht sich), aber heutzutage gibt es auch typische Poker-Kluften. Viel wichtiger ist allerdings, dass beide Sportarten heutzutage als super-sexy gelten. Du bist eine hyper-stylische Mama und Trendsetterin quer durch alle Generationen, wenn du eins von beidem tust - egal, ob du dich am Pokertisch oder auf der Yogamatte auslebst, wie das Jennifer Anniston, Lady Gaga, Giselle, Michelle Williams, Adam Levine of Maroon 5, Lebron James, Hillary Clinton, Robert Downey Jr., Jessica Biel und Russell Brand tun, um nur mal ein wenig Namedropping zu betreiben.

4. Man braucht jede Menge Geduld dafür.
Genau wie du warten und nochmal warten musst, bis du die Hand bekommst, mit der es Sinn macht All-in zu gehen, dreht sich auch beim Yoga alles ums Warten. Eine der Richtungen, die ich praktiziere, nennt sich Bikram, und sie hat nur 26 Stellungen, die wir tagein tagaus üben. Die Reihenfolge ändert sich dabei niemals, und dennoch ist jede Pose jedes Mal anders, da ja auch unsere Körper jeden Tag anders getunt sind. Manchmal ist ein Körper müde oder man hat einen Kater, ist hungrig oder vollgefressen. Auch beim Pokern sind die Regeln immer dieselben, nur das Hier-Sein jeder Spielerin ist ein anderes. Yoga kann die Geduld (und die beste Körperhaltung) lehren, die man braucht, wenn man endlose Stunden am Pokertisch sitzt.


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5. Es kann wehtun.

Viel verloren? Leere Taschen, weil die Karten auf dem River gegen dich waren? Versuch mal, auf dem rechten Bein zu balancieren, während du dich bückst, nach vorne streckst und das linke Bein hoch nach oben streckst, und nimm dann noch die Hände vom Boden weg. Und fall um. Hochmut kommt tatsächlich vor dem Fall. Nullmut danach.

6. Du wirst ein paar großartige Frauen kennenlernen.
Wirklich nette Leute trifft man unter Pokerspielerinnenn und Yoginis, warme, herzliche Communities, in denen sich Frauen mit gemeinsamen Interessen begegnen und über unabhängige Netzwerke verbunden sind. Frauen sind in jeder Hinsicht toll. Von Geschäftsführerinnnen über alleinerziehende Mütter bis hin zu geschäftsführenden alleinerziehenden Müttern - in beiden Sportarten habe ich viele erfolgreiche Menschen kennengelernt.

7. Man kann viel dabei gewinnen.
Pokern kann dich zum PCA bringen, nach Monte Carlo, oder zur EPT nach London. Für mich bedeutet es heutzutage einen Sieg, wenn ich es schaffe, meine Beine in der Kopf-auf-Knie-Pose durchzustrecken oder mein Fuß in der Hockstellung auf dem Oberschenkel liegen bleibt. Wenn du so etwas hingekriegt hast, wird Yoga dich Demut und Freiheit von Ergebnisorientiertheit lehren, zwei Fähigkeiten, die auch beim Pokern sehr nützlich sind.


8. Beides ist gut für Körper und Geist.

Ihr liebt Poker, weil es letztlich darum geht, die richtige Strategie anzuwenden, die den Gegner rückstandslos entsorgt. Es hält einen geistig fit und aktiviert die Entscheidungsfreude. Yoga tut dies auch, über den Weg der Verbindung zwischen Körper und Geist. Wie Eckhart Tolle sagen würde: Es stabilisiert dich im JETZT, was beim Poker sogar überlebenswichtig ist. Yoga ist meine Form von aktiver Meditation.

9. Es hilft dir, deine Grenzen kennenzulernen.
Mit Sicherheit hat niemand bereits in seiner ersten Pokersession wie Vanessa Selbst gespielt (abgesehen von Vanessa Selbst, versteht sich). Beim Yoga ist das nicht anders; wenn du einfach loslegst und die Krähen-Pose für eine interessante Stellung hältst, weil du diese Vögel magst, dann geh mal in die Hocke und versuch wie ein Hase zu hüpfen, und zwar in einem recht bizarr wirkenden Handstand. Krähen haben eine gewisse Eleganz. Ich sehe dabei eher wie ein Dodo aus.


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10. Die Männer sehen alle total scharf aus.

In Studios, in denen Hot Yoga gelehrt wird, ziehen freundlich-liebevolle, höfliche, vegan lebende Männer, manche davon schwul, die meisten eher metrosexuell, die Hemden aus und offenbaren ihre Sixpacks. Sie biegen ihre wohldefinierten festen Körper und ehren das Licht, das von dir ausgeht und die dir innewohnende Göttin, indem sie sich vor dir verbeugen. Beim Pokern - oh, okay, äh...


Namaste,
Sara

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