Ein last-minute Re-Entry änderte alles für den deutschen Pokerspieler ‘Blackbeaty’. Hier erzählt der Gewinner des Sunday Million 16th Anniversary seine Geschichte.


Drei Stunden nach Beginn des Sunday Million 16th Anniversary war „Blackbeaty“ ausgeschieden.

Genau wie vielen tausend anderen Spieler, hatte sich der 31-jährige Student aus Deutschland seit Wochen auf das Event gefreut und davon geträumt, die $1 Million Siegprämie zu gewinnen.

„Das Sunday Million Anniversary ist ein Muss für jeden Pokerspieler, also war klar, dass ich es versuchen würde“, erzählte er uns.

Doch dann war es einfach so vorbei. Er war draußen. Er hatte natürlich die Option, per Re-Entry wieder einzusteigen, aber zu diesem Zeitpunkt des Turniers würde er für $215 weniger als 25 Big Blinds bedkommen.

Er entschied sich dagegen.

In diesem Moment war eines sicher: Sein Name würde nicht in die Geschichtsbücher der Sunday Million eingehen.


Blackbeaty ist kein Unbekannter bei großen Turnieren.

Nachdem er in jungen Jahren von seinem Vater 5-Card Draw gelernt hatte, stieg sein Interesse an Poker, als er im Fernsehen Größen wie Daniel Negreanu, Jennifer Tilly und Doyle Brunson beim Spielen von No-Limit Hold’em zusah.

„Ich wollte nur wissen, wie dieses Spiel funktioniert“, sagt er. „Als ich nach ein paar Wochen endlich die Regeln verstanden hatte, fragte ich meine Schulfreunde, ob sie Poker im Fernsehen gesehen hätten und ob wir zusammen spielen wollten. Sie sagten ja und von da an spielten wir regelmäßig in kleinen Gruppen Poker.“

Mit 18 Jahren begann Blackbeaty damit Sit & Gos online um echtes Geld zu spielen, und seine Erfahrung mit Short-Handed-Spielen mit Freunden führte dazu, dass er seine erste Einzahlung aufstockte.

„Ich bin dann zu Turnieren gewechselt und war ziemlich erfolgreich, was zu meinem SCOOP-Sieg geführt hat.“

Im Jahr 2012 gewann Blackbeaty das allererste Event der jährlichen Spring Championship of Online Poker – ein $27 No-Limit Hold’em 6-Max-Turnier – für $74.000.

Er war weiterhin erfolgreich bei Turnieren und erreichte im November 2020 sogar den Finaltisch der Sunday Million. Bei dieser Gelegenheit wurde Blackbeaty Sechster und erhielt $22.000.

Jetzt war er hier, eliminiert vom Sunday Million 16th Anniversary.

Und es gab eine Planänderung.


„Zwei bis drei Stunden später wurde mir klar, dass dieses Turnier nur einmal im Jahr stattfindet, also stieg ich mit 13 Big Blinds wieder ein“, sagt er.

Nachdem er ein paar Coinflips gewonnen hatte, erreichte Blackbeaty mit der zweiten Bullet und einem knapp durchschnittlichen Stack den zweiten Spieltag. An diesem zweiten Tag schwankte sein Stack zwischen 20 Big Blinds und 40 Big Blinds, er war also nie ganz vorne dabei.

„Aber ich habe fast alle meine wichtigen Coinflips bis zum Finaltisch gewonnen.“

Als die letzten Neun an einem Tisch ermittelt waren, lag Blackbeaty auf Platz sieben. Er erinnert sich, dass er an den anderen großen Finaltischen, die er gespielt hatte, nervös war und ständig die Preissprünge überprüfte. Aber dieses Mal fühlte er sich völlig ruhig. „Vielleicht lag es daran, dass das Preisgeld schon so hoch war“, sagt er. „Ich hatte mein Ziel erreicht und konnte fortan völlig frei aufspielen, unter Berücksichtigung von ICM-Konzepten und Erfahrungen.“

Es dauerte dann nicht lange, bis er mit Pocketking gegen Ace-Four auf 50 Big Blinds verdoppelte.

„Zu diesem Zeitpunkt wussten alle Spieler, dass wir gesegnet und bereits Gewinner waren“, sagt er. „Es gab während des gesamten Turniers eine gewisse Spannung, da die Preisgeldsprünge unter den letzten 100 bereits hoch waren. Aber am Finaltisch, wo der neunte Platz $88.000 erhält, war diese Angst verschwunden.

„Für mich war es wie ein Sit & Go, das ich so optimal wie möglich spielen wollte. Es war ein völlig anderes Gefühl als an meinem letzten Sunday Million-Finaltisch.“

Blackbeaty navigierte mit Präzision am FInaltisch und erreichte schließlich das Heads-up gegen den Dänen „JanRas1983“, der sich für nur $11 qualifiziert hatte und erstmals ein so hohes Buy-in spielte.

„Der Preissprung war immens“, sagte Blackbeaty. „Es war ein One-on-one für $250.000. Das ist bizarr. Also machten wir einen Deal und spielten noch um $50.000.“

Als Chipleader sicherte sich Blackbeaty $881.000, während JanRas1983 seine $11 in unglaubliche $817.000 verwandelte.

„Ich glaube nicht, dass viele meine Motive nachvollziehen können, aber nach drei Tagen im Event, wenig Schlaf und purer Freude, habe ich mich einfach über dieses hohe Preisgeld gefreut. Hauptsächlich, weil wir immer noch um $50.000 spielten, was absurd hoch genug ist. Die Verhandlung war also kurz und wir haben uns schnell auf den ICM-Deal geeinigt.“

In der letzten Hand floppte Blackbeaty Trips. „Mir wurde schnell klar, dass dies die letzte Hand sein könnte“, sagt er. „Allerdings war ich innerlich auf ein längeres Heads-up eingestellt und wollte von Anfang an ein solides Spiel spielen, ohne unnötige Risiken einzugehen.“

Aber manchmal übernehmen die Pokergötter. JanRas1983 setzte fast seinen gesamten Stack auf dem River ein und Blackbeaty musste ihn nur noch für den Rest All-in setzen.

Es war vorbei.

Blackbeaty war ausgeschieden, mit 13 Big Blinds wieder eingestien und gewann am Ende als Sunday Million 16th Anniversary Champion $931.885.

„Das ist so ein unwirkliches Ergebnis“, sagt er.

„Auf diesem Moment, wenn der Tisch schließt und es heißt, dass du gewonnen hast, folgt einfach eine unendliche Leere. Du denkst, dass es nicht real sein kann und du träumst – wie es oft der Fall ist, wenn du davon träumst, groß zu gewinnen. Wirklich? Ist das der Moment, von dem ich immer geträumt habe? Habe ich endlich das erreicht, wofür ich so viele Bücher, Videos und Coaching-Material studiert habe? Jawohl!“, sagte er: “Ich habe es geschafft!”


Als das unfassbare Ergebnis langsam einsickerte, stellte Blackbeaty fest, dass er nicht so feiern konnte, wie er es sich immer vorgestellt hatte. Der Grund? Er konnte seine Augen einfach nicht von seiner neuen PokerStars-Bankroll abwenden.

„Ich habe immer wieder auf die Nummer geschaut – sie sah aus wie eine IBAN ohne Buchstaben“, sagt er. „Grundsätzlich war das Verantwortungsbewusstsein, eine so große Summe sinnvoll zu verwalten und zu sichern, größer als die Freude. Aber die Freude kommt allmählich durch.“

Aber Blackbeaty ist ein echter Pokerspieler durch und durch: „Das erste, was mir in den Sinn kam, war, professionelles Coaching zu suchen, damit ich alle Leaks beseitigen und sowohl online als auch live besser spielen kann.“

„Dieser Sieg ändert alles. Meine Familie und ich ziehen um. Und von da an möchte ich meiner Leidenschaft nachgehen und meinen beruflichen Schwerpunkt auf Poker legen, um regelmäßig Online- und Live-Events in dem Umfang spielen zu können, wie ich es mir immer gewünscht und erträumt habe.

Jetzt habe ich die Chance, es zu tun, und ich werde es mir nicht entgehen lassen. Mir ist schon früh in meiner Karriere aufgefallen, dass man seine Ziele irgendwann erreichen wird, wenn man sie mit Leidenschaft, Volumen und Lerneinheiten verfolgt. Und wenn man es erreicht hat, sollte man alles dafür tun, sich weiter zu verbessern, damit es keine Ausnahme bleibt. Ich hoffe, dass dieser Zeitpunkt nur der Anfang ist.“


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