Falls Sie ein guter Pokerspieler sind – oder einfach Ihr Spiel verbessern möchten -, wissen Sie, wie wichtig es ist Informationen aufzusagen und in Ihre Entscheidungen am Tisch einfließen zu lassen.

Schließlich handelt es sich bei Poker um ein Spiel mit unvollständigen Informationen. Es liegt an Ihnen, Hinweise aufzuspüren und sicherzustellen, dass Sie mehr wissen als Ihre Gegner. Oder zumindest ein besseres Gespür dafür zu haben, was Sie von einer Spielsituation zu halten haben.

Aber warum sollten diese Erkenntnisse nur beim Pokern von Nutzen sein? An den Tischen können Sie trainieren und das Gelernte auf die Probe stellen, aber es gibt keinen Grund hier aufzuhören.


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Die Fähigkeiten, die Sie am Pokertisch entwickeln, können Ihnen im Alltag von Nutzen sein


1. Verhandlungsgeschick

Haben Sie mit Ihrem Chef schon mal über eine Gehaltserhöhung gesprochen und waren starr vor Angst, außerstande Ihre Argumente vorzubringen? Dann sollten Sie vielleicht mehr Poker spielen. Nein, nicht während der Arbeitszeiten. Außerhalb der Bürozeiten zu pokern kann jedoch dabei helfen ein Poker-Mindset zu entwickeln, das Sie weiterbringen kann.

Wahrscheinlich waren Sie bereits in einer Poker-Situation, in der Sie die Nuts hatten und darüber nachgedacht haben, wie groß die River-Bet sein darf, um noch einen Call zu bekommen. Vielleicht haben Sie mit Ihrem Gegner gesprochen, um herauszufinden, wie weit Sie gehen können. So können Sie sich herantasten und erspüren, wie viel Extra-Value aus der Hand herauszuholen ist.


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Nutzen Sie Ihre Poker-Skills, um aus Verhandlungen das Bestmögliche herauszuholen?


Es gibt keinen Grund, warum Sie die gleichen Skills im Berufsleben nicht einsetzen können, um jeden Monat Extra-Geld ausgezahlt zu bekommen. Und das während Sie Ihrem Chef das Gefühl geben gut verhandelt zu haben.

Während ihres Vortrags auf dem World Economic Forum in Davos in der Schweiz wies PokerStars-Repräsentatin Maria Konnikova darauf hin, wie Poker-Erfahrung in Verhandlungen noch hilfreich sein kann. Am Pokertisch ist der Spieler mit Position im Vorteil – und auch im echten Leben hat der „Last Mover” die Nase vorn.

„Außerhalb von Poker … wer sind die Leute, die Ihnen gegenüber einen Positions-Vorteil haben und ihre Entscheidung als Zweites treffen?”, stellte Konnikova die Frage in den Raum.

„In jeder Verhandlung gibt es einen „Second Mover”-Vorteil … wenn jemand fragt ‚Wie viel würden Sie gerne verdienen?’, wäre es äußerst dumm, zu antworten: ‚Nun, meine Gehaltsvorstellung sieht wie folgt aus.’ Stattdessen sollten Sie versuchen, die Frage zu umgehen und den Gesprächspartner dazu zu bringen, als Erstes eine Zahl zu nennen, weil Sie die Grenze nicht zu niedrig setzen wollen. Aus der Position heraus ergibt sich ein großer Vorteil.”

2. Zurückblicken, um nach vorne zu schauen

Wenn Sie nach einem Bad Beat logisch denken, werden Sie erkennen, dass Sie nichts tun können, um die Uhr zurückzudrehen. Sie werden auch verstehen, dass Sie Ihren Gewinnchancen schaden, wenn Sie an die Decke gehen und Tilt zulassen.

Beim Pokern ist es enorm wichtig ehrlich zu sich selbst zu sein. Wer einen Blick auf gespielte Hände wirft, muss Fehler erkennen und akzeptieren, statt händeringend nach lahmen Ausreden zu suchen.

Setzen Sie Ihren Poker-Verstand in anderen Lebensbereichen ein. So sind Sie vielleicht in der Lage, sich davon abzuhalten etwas zu tun, was die Situation nur verschlimmert. Später werden Sie Ihrem Poker-Verstand danken, dass es Sie von einer Dummheit abgehalten hat.

3. Risiken verstehen

„Es hat den Anschein, dass Vertrauen natürlich ist, dass es sich tatsächlich um unseren Standard-Zustand handelt, und es scheint, dass Misstrauen gelernt werden muss”, sagte Konnikova.

Übertragen auf Poker erklärt sie, dass ein starker Fold auf einen tollen Pokerspieler hindeutet. Vielleicht mehr noch als ein schwieriger Call. Das hängt mit dem Denkvorgang zusammen, in dem wir entscheiden müssen, ob unsere Gegner ehrlich zu uns sind.


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Poker kann Ihnen dabei helfen, zu verstehen, was Risiko bedeutet


In der echten Welt kann es von großem Vorteil sein, den Menschen um uns herum einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Allerdings ist das etwas, was wir mit den Informationen, die uns zur Verfügung stehen, erst absichern müssen.

Die Schnelligkeit, mit der wir mentale Berechnungen durchführen, zeigt, wie Poker-Denken im echten Leben zum Einsatz kommt. Zum Beispiel in Situationen, in denen uns bewusst ist, dass uns jemand übervorteilen könnte.

Das geschulte Poker-Denken hilft uns dabei, rasch herauszufinden, wann ein Verkäufer die Wahrheit verbiegt und wann er ehrlich zu uns ist.

Konnikova sagte dazu: „Leute mit einem höheren Maß an generalisiertem Vertrauen sind akademisch gesehen tendenziell erfolgreicher, sie sind glücklicher, sie leben gesünder, sie nehmen mehr Risiken in Kauf, sie gründen mehr Unternehmen, sie scheinen schlauer zu sein.” Bei diesen Risiken handelt es sich allerdings immer um kalkulierte Risiken, in die alle zur Verfügung stehenden Informationen einfließen.

4. Disziplin

Wenn Sie Poker spielen, würden Sie nie auf die Idee kommen Hände aus Langeweile zu spielen. Und Sie wissen, dass Ihre Stacksize dazu führen kann, dass Sie mit bestimmten Karten in bestimmten Positionen nicht mehr raisen sollten.

Falls Sie in der Lage sind sich Disziplin beizubringen und die Konzentration hochzuhalten, werden Sie diese langfristig schlechten Spielzüge vermeiden. Langfristig werden sich so auch Ihre Resultate verbessern.


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Sich in Disziplin zu üben, kann für Sie von Vorteil sein


Im Alltag achten Sie vielleicht darauf Ihre Makronährstoffe im Blick zu behalten und sich gesund zu ernähren, um ein Ziel zu erreichen. Sei es Gewichtsabnahme, Muskelaufbau oder Fitness im Allgemeinen.

Es mag verlockend sein etwas zu essen, was Sie nicht zu sich nehmen „sollten”. Allerdings reicht das kurzfristige Glück nicht im Ansatz an den Nutzen heran, den das Erreichen des Ziels und das Aufrechterhalten der Disziplin verspricht.

Indem Sie Ihrem Gehirn beibringen geduldig zu sein und sich auf ein Ziel zu fokussieren, werden Sie immer weniger Schwierigkeiten haben kurzfristige Glücksmomente links liegen zu lassen. Stattdessen werden Sie alles tun, was Sie tun müssen, um das langfristig gesetzte Ziel zu erreichen.

5. Wissen, wann Sie aufgeben können

In allen Beziehungen – egal ob romantisch oder platonisch geprägte, oder sogar im Miteinander zwischen Mitarbeiter und Chef – ist es verlockend jede Diskussion zu gewinnen. Manchmal will man einfach keinen Rückzieher machen, weil man weiß, dass man im Recht ist. Poker kann Ihnen allerdings dabei helfen zu erkennen, dass andere Dinge mehr Bedeutung haben.

Sie können wissen, dass Sie Ihr Geld als Favorit riskieren würden und sich auf Grund von ICM dagegen entscheiden. Oder Sie sehen davon ab einen 55:45-Spot gegen einen schwachen Gegner einzugehen, weil Sie davon ausgehen, dass Sie einen wesentlich besseren Spot bekommen werden.

Das ist im Grunde das Äquivalent zu Alltagssituationen, in denen es sinnvoll ist anderen kleine Siege – die Sie nicht in den Abgrund stürzen – zuzugestehen, um in Zukunft mehr Spielraum zu haben, wenn Sie ihn brauchen.

Konnikova zitiert in diesem Zusammenhang einen anderen Pokerspieler, Amarillo Slim, der einmal gesagt hat: „Man kann ein Schaf viele Male scheren, aber man kann es nur einmal häuten.” Manche Situationen kommen im Leben wie beim Pokern so häufig vor, dass Sie die Spots unterscheiden müssen, in denen Sie auf Ihr „Recht” beharren müssen oder in denen die beste Strategie darin besteht kleine Opfer zu bringen, um das gesteckte Endziel zu erreichen.

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