Manuel Fritz gewinnt als erster Österreicher den Platinum Pass

Januar 19, 2020

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Die Mega Path-Promotion läuft sensationell für die Pokerspieler aus dem deutschsprachigen Raum. Mit Manuel Fritz hat am vergangenen Sonntag auch der erste Pokerspieler aus Österreich das Wochenfinale und somit den Platinum Pass im Wert von €26.000 zur PokerStars Players NL Hold’em Championship (PSPC) 2020 gewonnen.

Manuel ist 24 Jahre jung, studiert Betriebswirtschaftslehre in Wien, wohnt zusammen mit Fedor Kruse und einem weiteren Freund in einer WG und hat vor knapp sechs Jahren das erste Mal Poker gespielt. Los ging es mit kleinen Turnieren im lokalen Casino und bei PokerStars. „Wenn mir langweilig war, habe ich online ein paar Sit & Gos geklickt”, so Manuel rückblickend.

Dass sich sein Leben ein paar Jahre später durch Poker komplett ändern würde, damit hatte Manuel nie gerechnet. Aber es ist so gekommen und darüber haben wir im Interview mit dem Österreicher natürlich auch gesprochen.

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Live-Erfahrung ist vorhanden. Manuel Fritz hat 2019 den Main Event der EPT Barcelona im Geld abgeschlossen


Hallo Manuel. Vorab noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Platinum Pass. Wie fühlt sich das ein paar Tage später an?

Ich bin mega-happy über den Gewinn und freue mich sehr auf den Event. Ich hatte ohnehin für 2020 das Ziel hart zu arbeiten, und jetzt, mit dem speziellen Turnier im August, hat man auch noch etwas worauf man hinarbeiten kann. Das wird mich zusätzlich motivieren, mich hinzusetzen und an meinem Spiel zu arbeiten.

Die PSPC ist einfach ein cooles Event, sowohl für Recreationals, mit den vielen Möglichkeiten sich zu qualifizieren, als auch für die Pros, so ein Riesenturnier zu spielen. Und Barcelona ist eine meiner Lieblingsstädte weltweit, zur EPT bin ich jedes Jahr dort.

Wie viele Versuche hast du benötigt, um dich bei der Mega Path-Promo durchzusetzen?

Ich wusste zwar, dass es diesen PSPC Mega Path und weitere Möglichkeiten gibt, den Platinum Pass zu gewinnen, habe es aber gar nicht so verfolgt. Ein Kumpel von mir hat dann vor knapp zwei Wochen begonnen die Steps zu spielen und mir gesagt, die haben gutes Value, die sollte man schon mitnehmen. Wir haben dann ausgemacht, dass wird die spielen, und wenn einer das Ding holt, swappen wir ein paar Prozente und teilen uns das Hotelzimmer.

Ich habe dann vielleicht 15 bis 20 von den $2 Sit & Gos gespielt, drei oder vier Tickets für das $50 MTT gewonnen und direkt am Samstag das erste gespielt.

Der Verlauf war absolut kurios. Ich bin nach fünf Minuten über die Late-Reg rein, einer am Tisch hatte da schon den zehnfachen Startingstack und spielte jede Hand open-jam. Durch den konnte ich direkt zweimal aufdoppeln.

Hinten raus war ich mir schon ziemlich sicher, dass ich das $1K-Ticket bekomme, habe Aces gegen einen 7 BB-Jam gefoldet usw. Aber es wurde doch sehr close. Plötzlich saß ich an der direkten Bubble mit 0,1 BB im Small Blind, drei Leute waren auto-all-in und mein Tisch als einziger so smart, dass alle den BB gecallt haben, um mich save zu busten.

Ich hatte Queen-Jack off, der Flop kam As, König, Drei und plötzlich bettet der erste Limper einen BB und alle anderen folden. Da kann es natürlich durchaus sein, dass einer einen King oder eine Drei foldet, weil alle short waren. Auf jeden Fall hatte er nur Jack-Ten und am anderen Tisch ist auch noch einer gebustet. Das war krass.

Beim $1K-Wochenfinale am Sonntag um den Platinum Pass musstest du aber weniger schwitzen?

Ich wollte es eigentlich gar nicht an dem Sonntag spielen, weil ja Main Event Day bei der Winter Series war und man eh genug große Tische offen hat. Ich habe dann aber noch mal in den Spielerpool reingeschaut, der sah gut aus, und so bin ich drei, vier Minuten nach Start reingehoppt und dann lief es.

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Manuel (li.) am Tisch mit dem Schweden Alexander Ivarsson

Im Vorgespräch hast du gesagt, dass du erst vor zwei Jahren begonnen hast, dich intensiver mit Poker zu beschäftigen, gleichzeitig aber dein BWL-Studium durchziehen wirst. Wie sind beide Dinge in deinem Leben gewichtet, und welche Ziele verfolgst du speziell im Bereich Poker?

Die Gewichtung ist durchaus 50 zu 50, ich versuche auf beides einen soliden Fokus zu legen. In den Prüfungsphasen kann man sich natürlich nicht zu sehr auf Poker fokussieren.

Ich möchte aber auf jeden Fall mein Spiel weiter improven, in den Stakes aufsteigen.

Geht es da vornehmlich um das Geld oder ist Poker eher eine Leidenschaft?

Absolut Leidenschaft, zu 100 Prozent. Ich habe mich auch als Mensch unglaublich weiterentwickelt und viel gelernt durch Poker. Vom faulen, feiernden Studenten ohne große Ziele, zum hart arbeitenden Grinder sozusagen.

Ich habe einfach realisiert, dass man immer am Ball blieben muss, um gewisse Dinge zu erreichen, und dass es nicht der Sinn des Lebens ist, vor sich hin zu studieren und nichts anzugehen. Poker hat mich zum Beispiel gelehrt, dass es darauf ankommt aktiv Entscheidungen zu treffen und nicht auf Dinge, die du nicht beeinflussen kannst und die dich runterziehen.

Bei mir stimmten die Results auch lange Zeit nicht, aber ich habe trotzdem einen unglaublichen Fortschritt gemacht. Es ist ein Longterm-Game und wie bei so vielen Dingen im Leben braucht man Geduld, der Rest kommt von selbst.

Im Februar geht es zusammen mit ein paar Freunden nach Thailand. Ist das dann die Belohnung für die harte Arbeit?

Ja, das versuchen wir jedes Jahr als kleine Tradition aufrechtzuerhalten. Der Februar ist studienfrei, letztes Jahr waren wir vier Wochen in Mexiko, diesmal geht es nach Thailand.

Wir möchten etwas von der Welt sehen, ins Warme und dann einfach mixen. Etwas weg von den Tischen, dafür mehr ins Social-Life, Menschen treffen, Spaß am echten Leben haben.

Und vier Wochen ohne Poker sind nicht zu viel?

Naja. Im letzten Jahr war das schon etwas anders, da haben wir drei Wochen gegrindet, um dann die letzten zehn Tage herumzureisen. Diesmal liegt aber der Fokus auf Urlaub. Hier und da mal eine Cashgame-Session, aber keine stundenlangen Turnier-Grinds vor dem Laptop. Ganz flexibel und mit Ruhe.

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